Unser Häs

Unsere Narrenfigur stellt einen Schindlemacher dar. Seit langer Zeit ist es in unserem Dorf Tradition, dass während der kalten Wintermonate in den Stuben der Bauernhöfe und Taglöhner Dachschindeln hergestellt werden. Die Männer verdienten sich so, gerade in den wenig ertragreichen Monaten, etwas dazu. Leider stirbt das Schindlemachen immer mehr aus. Nur noch wenige Männer beherrschen dieses alte Handwerk.

Unsere Narrenfigur trägt die früher üblichen knöchelhohen, derb gearbeiteten Holzschuhe und handgestrickte Socken aus weißer heimischer Schafwolle. Eine bequeme schwarze Hose und ein roter Kittel vervollständigen des Gewand. Die Hose wird ca. 3-5 cm oberhalb des Schuhwerks getragen. Um die Hüften wird das Narrenseil geschlungen, an dem ein Schnapsbudel mit Jokelwasser (Kirschschnaps) zum Aufwärmen hängt. Auf dem Kopf trägt der Schindlejokel eine schwarz/rote Kappe mit Koller. An Koller, Narrenseil und Hose klappern Schindlewellen. Eine Schindlewelle wird aus hellem Ahornholz hergestellt. Sie ist ein maßstäblich verkleinerter Bund von Dachschindeln, einer Maßeinheit, in der früher Dachschindeln verkauft wurden.  Beim Hopsen klappern sie lustig. In der Hand trägt der Schindlejokel den Holzschlegel oder Holzglipfel . Dieser stellt ein  Werkzeug zur

Schindelherstellung dar, den Spalthammer. Er kann abends beleuchtet werden und klappert ebenfalls. Auf dem Kittel ist das Gemeindewappen, ein springender Hirsch, angebracht. Dieses Wappen zeigt auch, dass es sich um ein aktives Zunftmitglied über 16 Jahre handelt. Nur diese Hästräger erhalten von der Narrenzunft das Wappen als Leihgabe; zusammen mit einer fortlaufenden Häsnummer, die versteckt unter dem Koller angenäht wird. Die Hände wärmen schwarze gestrickte Fingerhandschuhe.

Das wichtigste ist jedoch die verschmitzt lachende Altmännerlarve aus Holz, die unsere Verkleidung komplett macht. Ein Schindlejokel hat immer Schabernack im Sinn. Er nimmt sein Publikum gerne auf die Schippe, will aber nie kränken oder verletzen.

Der Schindlejokel, als Männerfigur wird auch von närrischen Frauen gerne getragen und erfreut sich großer Beliebtheit im Dorf. Sie ist die einzige Narrengestalt und wir hoffen, dass dies auch so bleibt.